Geheimes Paris: eine 3-Tage-Route abseits der Karte
Paris hat zwei Karten. Die erste ist die, der alle folgen, vom Eiffelturm bis Notre-Dame. Die zweite ist ein Netz aus glasgedeckten Passagen, gepflasterten Dörfern, privaten Gässchen, Gärten auf alten Bahngleisen und Straßen in allen Farben bemalt, fast alle nur Minuten von der ersten Karte entfernt und fast leer. Diese Route folgt der zweiten, für alle, die die Monumente schon gesehen haben und die Stadt dahinter wollen.
Tag 1 sind die Passagen des rechten Ufers, die Einkaufsgalerien des frühen 19. Jahrhunderts, mit ihren Mosaikböden, Glasdächern, alten Buchläden und einem Wachsfigurenkabinett mitten in einer davon. Tag 2 steigt unter die Erde in die Katakomben und taucht im 13. Arrondissement wieder auf, wo die Cité Florale ein Dorf aus Gassen mit Blumennamen ist und die Butte-aux-Cailles ein Dorf auf einem Hügel. Tag 3 ist ein Tag kleiner Wunder im Osten: die bemalten Häuser der rue Crémieux, die Coulée verte auf ihrem alten Viadukt und der Marché d'Aligre.
Der Anreisetag gehört einem ersten ziellosen Rundgang. Die drei Tage können in jeder Reihenfolge laufen, außer die Katakomben, die montags schließen, und der Marché d'Aligre, montags und nachmittags geschlossen.
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Die Route im Überblick
| Für wen | Wer Paris zum zweiten Mal besucht, sich hier auskennt und lieber einen geheimen Hof findet als vor einem Monument Schlange zu stehen. |
| Tempo | Schlendertempo: lange Spaziergänge durch ruhige Straßen, mit einem kostenpflichtigen Stopp pro Tag und viel Zeit zum Verlaufen. |
| Zu Fuß | 15.5 km zu Fuß über 3 Tage (4.5 / 5.5 / 5.5) |
| Metro und RER | Linien 1 und 7 für die Passagen, Linien 4 und 6 bis Denfert-Rochereau, Linie 7 bis Tolbiac, Linien 1 und 8 bis Bastille. |
| Tickets pro Erwachsenem | ab €68 (Tag 1 €28, Tag 2 €40, Tag 3 €0) |
| Vor dem Abflug buchen | Musée Grévin, Katakomben |
Diese Tickets vor dem Abflug sichern
Zwei Tickets; Passagen, Dörfer, Gärten und Straßen sind gratis. Alle Beträge gelten pro Person.
| Ticket | Ab | Warum vorher buchen | Wann buchen | An welchem Tag |
| Katakomben von Paris mit Audioguide | €40 | Das Beinhaus unter dem 14. Arrondissement, auf 200 Besucher gleichzeitig begrenzt. | Sobald dein Datum Verfügbarkeit zeigt. | Tag 2, 9:45 Uhr |
| Musée Grévin | €28 | Das Wachsfigurenkabinett von 1882 in der Passage Jouffroy, mit seinem barocken Palais des Mirages. | Am Vorabend. | Tag 1, 15:00 Uhr |
Der Anreiseabend: die Spitze der Insel
Beginn am Pont Neuf. Auf halber Brücke führen Stufen hinter der Statue Heinrichs IV. hinab zum Square du Vert-Galant, einem Garten auf Wasserhöhe, wo die Insel in einer Spitze aus Gras und Weiden endet. Am Abend ist es einer der stillsten Orte im Zentrum von Paris, mit der Seine, die auf beiden Seiten fließt, und dem beleuchteten Louvre am anderen Ufer.
Von dort an den Kais des linken Ufers entlang, wo sich die grünen Kästen der Bouquinisten zum Sonnenuntergang schließen und die Stadt still wird.
- Der Square du Vert-Galant wird über eine Treppe in der Mitte des Pont Neuf erreicht.
- Hinter der Statue Heinrichs IV. ist die Place Dauphine einer der geheimsten Plätze von Paris.
- Tag 1 beginnt um 10 Uhr in den Passagen, wenn die Läden öffnen.
Tag 1: Die Passagen und ein Wachsfigurenkabinett

Bevor es Kaufhäuser gab, kauften die Pariser in Passagen ein, Galerien unter Glasdach, die Schlendern im Trockenen erlaubten, fern von Schlamm und Verkehr. Etwa zwanzig überleben, fast alle zwischen Louvre und den Grands Boulevards. Wir beginnen in der Galerie Véro-Dodat beim Louvre, mit ihrem schwarz-weißen Boden und den bemalten Decken, und erreichen die Galerie Vivienne, die schönste, mit ihren Mosaiken und einem Weinkeller, der seit dem 19. Jahrhundert da ist.
Weiter nordwärts zur Passage des Panoramas, der ältesten von allen, 1799 eröffnet, ein Gewirr aus Briefmarkenhändlern, Graveuren und kleinen Restaurants. Jenseits des Boulevard Montmartre verlängern Passage Jouffroy und Passage Verdeau dieselbe Linie mit alten Buchläden, Spielzeugläden, einem Hotel und einem Stockmacher.
Mitten in der Passage Jouffrey liegt der Eingang zum Musée Grévin, dem 1882 gegründeten Wachsfigurenkabinett. Seine Figuren französischer und weltweiter Berühmtheiten sind amüsant, doch die wahre Überraschung ist das Gebäude: ein barockes Theater und der Palais des Mirages, ein Saal aus Spiegeln und Lichtern von der Weltausstellung 1900, einer der seltsamsten Räume von Paris.
Die Stationen der Reihe nach
- 10:00 · Galerie Véro-Dodat: bemalte Decken und Schachbrettboden
19 Rue Jean-Jacques Rousseau, 75001, Paris - 10:45 · Galerie Vivienne: Mosaike und der alte Weinkeller
Rue des Petits Champs, 75001, Paris - 12:00 · Passage des Panoramas: die älteste Passage, Mittagessen
Passage des Panoramas, 75002, Paris - 14:00 · Passage Jouffroy: Buchläden und der Stockmacher-Laden
10-12 Boulevard Montmartre, 75009, Paris - 15:00 · Musée Grévin: Wachsfiguren und Palais des Mirages
10 Boulevard Montmartre, 75009, Paris
Der Tag in Zahlen
| Zu Fuß | 4.5 km zu Fuß |
| Metro und RER | Linie 1 bis Louvre - Rivoli oder Palais Royal; zu Fuß durch die Passagen nach Norden zu den Grands Boulevards. |
| Tickets pro Erwachsenem | €28: Musée Grévin ab €28 |
| Diesen Tag nicht auf einen | Jeder Wochentag funktioniert |
Wenn es regnet: Das ist der perfekte Regentag in Paris: Jede Station liegt unter Glas.
Tag 2: Die Katakomben, die Cité Florale und die Butte-aux-Cailles

Wir beginnen unter der Erde in den Katakomben, zwanzig Meter unter der Place Denfert-Rochereau. Die alten Kalksteinbrüche wurden Ende des 18. Jahrhunderts zum Beinhaus, als die übervollen Friedhöfe von Paris geleert wurden, und die Knochen von etwa sechs Millionen Menschen säumen anderthalb Kilometer Tunnel. Der Besuch dauert etwa eine Stunde.
Zwei Stationen weiter liegt der Parc Montsouris, ein romantischer englischer Park mit See und hundertjährigen Bäumen am Südrand der Stadt; geh weiter zur Cité Florale, einem Dreieck aus Kopfsteinpflastergassen mit Blumennamen, rue des Glycines, rue des Orchidées, rue des Liserons, gesäumt von Häuschen und Gärten. Es sieht aus wie ein Dorf und ist eines der bestgehüteten Geheimnisse des 13.
Weiter zur Butte-aux-Cailles, einem Hügel aus Pflasterstraßen, Häuschen und Street Art, der Haussmanns Umbau entkam. Er hat ein Nachtleben aus Bars und günstigen Restaurants und ein Jugendstil-Schwimmbad, gespeist von einer natürlichen Quelle.
Die Stationen der Reihe nach
- 9:45 · Katakomben von Paris: etwa eine Stunde unter der Erde
1 Avenue du Colonel Henri Rol Tanguy, 75014, Paris - 12:00 · Parc Montsouris: See und Rasen, Picknick
Avenue de la Tunisie, 75014, Paris - 13:30 · Cité Florale: Gassen mit Blumennamen
Rue des Glycines, 75013, Paris - 15:00 · Butte-aux-Cailles: Dorf auf einem Hügel, Nachtbars
Rue de la Butte-aux-Cailles, 75013, Paris
Der Tag in Zahlen
| Zu Fuß | 5.5 km zu Fuß |
| Metro und RER | Linie 4 oder 6 oder RER B bis Denfert-Rochereau; Linie 6 oder RER B bis Cité Universitaire; zu Fuß zur Butte-aux-Cailles. |
| Tickets pro Erwachsenem | €40: Katakomben ab €40 |
| Diesen Tag nicht auf einen | Montag |
Wenn es regnet: Die Katakomben spüren das Wetter nicht; bei Regen ersetz Park und Gassen durch die Cafés der Butte-aux-Cailles.
Tag 3: Eine bemalte Straße, ein Garten auf dem Viadukt und der Marché d'Aligre

Beginn früh in der rue Crémieux nahe der Gare de Lyon, einer kurzen Pflasterstraße aus pastellbemalten Häuschen mit Trompe-l'œil-Katzen und Kletterpflanzen. Sie wurde in den sozialen Netzwerken so populär, dass die Bewohner die Besucher bitten, ihre Häuser zu respektieren, also komm vor 9 Uhr, bleib leise und mach nur ein paar Fotos.
Fünf Minuten zu Fuß und du stehst auf der Coulée verte René-Dumont, dem ersten Park der Welt auf einer Hochbahn, gebaut in den Neunzigern auf einem verlassenen Eisenbahnviadukt, lange vor der New Yorker High Line. Der bepflanzte Weg läuft über den Straßen fast fünf Kilometer; unter seinen Bögen beherbergt der Viaduc des Arts die Werkstätten von Tischlern, Glasbläsern und Geigenbauern.
Hinab zum Marché d'Aligre, dem parisischsten Markt von Paris, mit Obst- und Gemüseständen auf der Straße und einer Halle aus Käsern und Metzgern. Beschließ den Tag im Square du Vert-Galant an der Spitze der Île de la Cité, falls du am ersten Abend nicht dort warst, oder in einer der Weinbars um den Markt.
Die Stationen der Reihe nach
- 8:45 · Rue Crémieux: früh kommen, leise bleiben
Rue Crémieux, 75012, Paris - 10:00 · Coulée verte René-Dumont: Garten auf dem alten Viadukt
Coulée Verte René-Dumont, 75012, Paris - 11:30 · Marché d'Aligre: Markt und überdachte Halle, montags geschlossen
Rue Théophile Roussel, 75012, Paris - 16:00 · Square du Vert-Galant: die Inselspitze
Square du Vert-Galant, 75001, Paris
Der Tag in Zahlen
| Zu Fuß | 5.5 km zu Fuß |
| Metro und RER | Linie 1 oder 14 bis Gare de Lyon für die rue Crémieux; zu Fuß zur Coulée verte und nach Aligre. |
| Tickets pro Erwachsenem | nichts zu buchen: alle Stationen sind gratis |
| Diesen Tag nicht auf einen | Jeder Wochentag funktioniert |
Wenn es regnet: Das Viadukt ist im Freien; bei Regen mehr Zeit in der überdachten Beauvau-Halle und den Ateliers unter den Bögen verbringen.
Der Abreisemorgen: ein letztes Geheimnis
Nutz den letzten Morgen für eine versteckte Ecke nahe deinem Bahnhof. Nahe der Gare du Nord sind der Square du Temple und die rue de Bretagne ruhig und hübsch; nahe Montparnasse die Villa Adrienne und die Gässchen hinter dem Friedhof.
Das versteckte Paris ist fast komplett gratis, also kostet der letzte Morgen nur Zeit.
- Die meisten Passagen öffnen um 8 oder 9 Uhr und schließen abends.
- Die privaten Gassen und Villen bitten Besucher um Ruhe; respektier es.
- Halte Reserve für einen internationalen Flug ein.
Welcher Tag wohin
Die drei Tage lassen sich beliebig tauschen. Nutze diese Tabelle, damit kein Museum auf seinen Ruhetag fällt.
| Tag | Ruhetag |
| Tag 1: Die Passagen und ein Wachsfigurenkabinett | Jeder Wochentag funktioniert |
| Tag 2: Die Katakomben, die Cité Florale und die Butte-aux-Cailles | Montag (Katakomben von Paris) |
| Tag 3: Eine bemalte Straße, ein Garten auf dem Viadukt und der Marché d'Aligre | Jeder Wochentag funktioniert |
Die besten überdachten Passagen von Paris
Die Passagen sind die vollständigste versteckte Welt von Paris. Die Tabelle listet die besten, in der Reihenfolge des Spaziergangs von Tag 1.
| Passage | Eröffnet | Weshalb hingehen |
| Galerie Véro-Dodat | 1826 | Schachbrettboden, bemalte Decken |
| Galerie Vivienne | 1823 | Mosaike, die schönste von allen |
| Galerie Colbert | 1826 | eine Rotunde unter einer Glaskuppel |
| Passage des Panoramas | 1799 | die älteste, Briefmarkenhändler und Restaurants |
| Passage Jouffroy | 1847 | Buchläden, das Musée Grévin |
| Passage Verdeau | 1847 | alte Kameras, Drucke und Bücher |
Weitere versteckte Orte, wenn du Zeit hast
- Villa Léandre auf Montmartre: ein Art-déco-Gässchen aus Backsteinhäusern, das nach London aussieht.
- Place Dauphine auf der Île de la Cité: ein dreieckiger Platz hinter dem Pont Neuf, fast immer still.
- Der Square du Temple im Marais: ein Garten mit Bassin und Musikpavillon.
- Das Musée de la Vie romantique am Fuß von Montmartre: ein Gratismuseum mit Teesalon im Garten.
- Die Cour de Rohan hinter der Cour du Commerce-Saint-André in Saint-Germain: drei verbundene Höfe, die aus dem Jahr 1789 stehengeblieben wirken, mit einem der letzten pferdebetriebenen Lastenaufzüge der Stadt.
Das Prinzip dieser Route ist einfach: Paris gibt seine besten Ecken nicht an jeden heraus, nur an die, die suchen. Hinter fast jedem Tor im Zentrum liegt ein Hof, hinter fast jedem Hof eine Treppe, hinter fast jeder Treppe eine Geschichte. Wir haben die dreißig Orte ausgewählt, die am eindrucksvollsten sind und trotzdem auf kaum einer Besucherliste stehen, aber beim Gehen durch die Stadt wirst du selbst ein Dutzend weitere finden. Das ist das eigentliche Geschenk dieser Route: Sie bringt dir bei, wie man in Paris schaut. Und wenn du am letzten Abend durch eine Straße gehst, die nicht auf dem Plan steht, und durch ein offenes Tor in einen Hof späht, in dem eine Laterne über einem vergessenen Brunnen brennt, dann hat die Route genau das getan, was sie sollte. Notiere dir deine eigenen Funde; das versteckte Paris ist nie zweimal dasselbe, und dein Fund gehört nur dir. Schreib ihn auf, denn das versteckte Paris ist die Stadt, die man beim zweiten Mal sucht.
Weitere 3-Tage-Routen
- Montmartre und Umgebung: die ruhigen Gassen des Hügels und der Flohmarkt.
- Paris für Fotografen: die rue Crémieux und das beste Licht.
- Das Marais und der Osten von Paris: versteckte Höfe und Gratismuseen.
- Paris im Regen: mehr überdachte Passagen für schlechtes Wetter.
- Paris mit kleinem Budget: die Gratisseite der Stadt.
- Paris in 5 Tagen: die Monumente zur versteckten Stadt dazu.
- alle 3-Tage-Routen nach Thema
